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CDU - Kreisverband Freiburg
 
 
 
 
 
 
 

Aktuelles


 
 

Newsletter zum Volksentscheid über Stuttgart 21

Hier können sie den aktuellen Newsletter der CDU Freiburg zum Volksentscheid über Stuttgart 21 als PDF herunterladen. 
 

Opposition als Chance nutzen

Lehren aus der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011

 
 
Die Landtagswahl am 27. März 2011 liegt hinter uns. Eine grundsätzliche Aufarbeitung ist notwendig. Fukushima alleine hat die Wahl nicht entschieden. Konstruktive Vorschläge für die Zukunft unserer CDU sind gefordert, damit die CDU die Zeit in der Opposition nutzt, um sich neu nach vorne zu orientieren.
 
Mit einigen Grundgedanken und Forderungen will ich zur Verbesserung unserer Arbeit beitragen und stelle sie gerne zur Diskussion.
 
 
1. Inhaltliche Veränderungsnotwendigkeiten
 
In einigen inhaltlichen Punkten müssen wir Veränderungen vornehmen und offensiver vorgehen. Herzstück ist weiterhin unser eigenständiges Profil. Den Grünen hinterherzulaufen wäre völlig verkehrt.
 
Erstens: Schlüsselthema „Erneuerbare Energien“ offensiv und langfristig angehen. Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit nicht unter den Teppich kehren.
 
Für die Menschen ist das Thema der Erneuerbaren Energien das Schlüsselthema für eine nachhaltige, „gute“ Zukunftsgestaltung. Wir haben die politisch grundsätzliche, auch emotionale Bedeutung des Themas für die Menschen - abgesehen von den sachlichen Gründen - bislang unterschätzt.
 
Die CDU muss sich noch wesentlich offensiver für das Ziel einsetzen, so rasch wie möglich das Zeitalter der Erneuerbaren Energien zu erreichen. Konsequent müssen wir nach der Landtagswahl vor allem auf Bundesebene umsetzen, was zwei Wochen vor der Wahl als Konsequenz aus den Ereignissen aus Japan angekündigt worden ist. Für unsere Glaubwürdigkeit ist das entscheidend.
 
Wenn uns das gelingt, werden wir uns aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger politisch erfolgreich mit rot-grün auf diesem Themenfeld auseinandersetzen können. Und zwar in der Frage, wie wir konkret regenerative Energien voranbringen ohne unseren Wirtschaftsstandort in Frage zu stellen. Hier liegt unsere Stärke. Dann wird sich auch zeigen, dass die Grünen oft nur „dagegen“ und nicht konsequent sind und kein Gesamtkonzept haben.
 
Und darüber hinaus wird es sich auszahlen, wenn wir im Rahmen eines Gesamtkonzeptes die Aspekte des Klimaschutzes, der Wirtschaftlichkeit und der Kosten mit integrieren. Hierzu haben die Grünen keine Konzepte.
 
 
Zweitens: Eigenes Profil schärfen – nicht den Grünen hinterherlaufen
 
Es geht nicht darum, den Grünen hinterherzulaufen. Sondern wir formulieren eine eigenständige Position als CDU, nicht nur bei unserem ureigenen Thema „Bewahrung der Schöpfung“ und beim Thema Regenerative Energien.
 
In den Landespolitischen Themen liegen wir richtig: In der Wirtschaftspolitik, im Einsatz für den Mittelstand, in der Bildungspolitik, in der Hochschulpolitik, in unserer Politik für den Ländlichen Raum usw.
 
 
Drittens: Generationengerechtes Haushalten - Schuldenstopp! - muss gesellschaftspolitisches Mega-Thema werden.
 
Die Frage der Stabilität öffentlicher Haushalte ist weltweit, europaweit und auch bei uns in Deutschland zu einer politischen Schicksalsfrage geworden. In den kommenden 2-3 Jahren entscheidet sich, ob wir die öffentlichen Haushalte schuldenfrei durchsetzen können – oder ob ein öffentlicher Haushalt nach dem anderen (Bundesländer, nationale Ebene, Haushalte europäischer Staaten) in die Überschuldung geht. Die politisch Stabilität unserer Demokratie steht damit auf dem Spiel.
 
Wenn das so ist, dann müssen wir doch alles in Bewegung setzen, um als verantwortungsvolle Partei den Menschen klar zu machen, wie es steht. Wir tun dies zwar sachlich, aber in nicht ausreichend emotionaler Art und Weise. Die Einstellung, „mit Haushaltspolitik sind keine Wahlen zu gewinnen“, ist falsch. Wir müssen die Kraft haben, es zu einem zentralen Thema zu machen!
 
 
2. Botschaften besser und offensiver kommunizieren
 
Diese Landtagswahl muss uns eine Lehre sein, auch und gerade im Bezug auf die bevorstehende Bundestagwahl. Wir müssen besser und offensiver kommunizieren.
 
Viertens: Politische Schlüsselthemen nicht nur sachlich, sondern auch emotional besetzen („einfache Botschaften, die jeder auf Anhieb versteht“)
 
Unsere Stärke ist, das wir sehr sachlich an die Themen herangehen. In einer Mediendemokratie muss man jedoch erheblich stärker als bisher berücksichtigen, dass politische Schlüsselthemen nicht nur sachlich, sondern emotional zu besetzen sind.
 
Beispiel 1: Schnittstelle Soziales Miteinander/Bildungspolitik
Die grundlegende gesellschaftspolitische Grundforderung müssen wir zuerst benennen, z. B.: „Soziales Miteinander bei Kindern fördern und individuell beste Förderung“. Dann erst kommt die sachliche Konsequenz: „Deshalb hochwertige Kinderbetreuung von 0-3, deshalb Orientierungsplan im Kindergarten, deshalb wollen wir Bildungsvielfalt, sozial durchlässig, deshalb wollen wir ein gegliedertes Schulsystem“.
 
Beispiel 2: Gentechnik:
Zunächst müssen wir eine umfassende Grundbotschaft vermitteln, z.B. „Wir sind für regionale gesunde Nahrungsmittel“. Deshalb aber auch klare Aussage: „Keine Gentechnik, solange nicht alle Risiken erforscht sind“.
 
Nur so schaffen wir es erfolgreich, das Lebensgefühl der Menschen zu treffen,. Darum geht es ganz entscheidend.
 
Fünftens: Politisches Grundklima für unsere Themen schaffen: Politische Grundbotschaften permanent und offensiv vertreten
 
Es gelingt uns als CDU nicht mehr so stark wie früher, unsere politischen Grundbotschaften permanent in der Öffentlichkeit wachzuhalten. Erwin Teufel beispielsweise hat mit dem Satz „Arbeitsplätze ist nicht alles, aber ohne Arbeitsplätze ist alles nichts“ der CDU im Land ein nachhaltiges Profil in der Wirtschaftskompetenz gegeben.
 
Die Grünen haben wenige Themen, aber die fahren sie konsequent: Gegen Atomkraft, gegen Gentechnik, für „soziales Miteinander“. Diese Kernbotschaften sind in der Bevölkerung präsent.
 
Es muss uns gelingen, in den wichtigsten politischen Themen wieder ständig präsent zu sein, und zwar bei den einfachen Grundbotschaften Z.B. Soziale Marktwirtschaft („erst muss etwas erarbeitet werden, bevor etwas verteilt werden kann“), Bildungspolitik usw.
 

Sechstens: Offensiver gegenüber SPD und Grünen auftreten
 
Es waren sehr viele Menschen, die im Wahlkampf immer wieder gefordert haben – lange vor Japan: „Die CDU muss ihre Positionen endlich offensiver vertreten“. Insbesondere den Angriffen der Grünen Spitzenfunktionäre auf Bundesebene sah man sich zu oft ohne adäquate Antworten ausgeliefert. Wir sind zu zurückhaltend!
 
Natürlich können wir die Medien nicht beeinflussen, was immer wieder gefordert wird. Aber das Ergreifen politischer Initiativen und der politische Angriff sind immer besser als Reaktionen auf den politischen Gegner. Diese politische Grundregel muss konsequent umgesetzt werden.
 
 
3. Konzeptionelle Überlegungen/Politikstil/Glaubwürdigkeit
 
Auch im konzeptionellen Bereich, im Politikstil müssen wir Veränderungen vornehmen.
 
Siebtens: Keine politischen Gegensätze zwischen Stadt und Land konstruieren, sondern gezielt dort anpacken, wo es am politisch schwierigsten ist!
 
Grundposition: Wenn wir in den Städten keinen politischen Erfolg haben, dann können wir das im Ländlichen Bereich auf Dauer nicht ausgleichen.
 
In der CDU war bislang oft zu hören: „Im Ländlichen Bereich muss die CDU die Wahlen gewinnen, in den Städten schaffen wir es sowieso nicht.“ Oder noch drastischer: „In die Städte kann man noch so viel Geld geben, die wählen ohnehin grün“.
 
Diese Grundeinstellung ist falsch. Wir haben lang genug beobachten können, dass die politischen Entwicklungen in den Städten früher oder später den Ländlichen Bereich erreichen.
 
Also müssen wir den Stier bei den Hörnern packen und in den Städten wieder politisch zulegen. Bei Thema „Kinderland“ haben wir den Sprung auf die Höhe der gesellschaftlichen Modernität – unterlegt mit unseren Grundwerten – geschafft. Bei der Zukunftsfrage Energie müssen wir enorm aufholen (v. a. auf Bundesebene).
 
Im Ländlichen Bereich müssen wir natürlich alles daran setzen, unsere unverändert starke Position zu halten und wieder auszubauen.
 
 
Achtens: Wir arbeiten aus Idealismus heraus für das Allgemeinwohl – nicht für Einzelinteressen
 
Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns für das Allgemeinwohl einsetzen. Es ist den Grünen aber gelungen, verstärkt seit der Koalition mit der FDP auf Bundesebene, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, „denen geht es mehr um Interessengruppen, weniger um das Allgemeinwohl“ („Mövenpick-Steuer“, „Kungeln mit den großen vier Atomriesen“, sind zwei Beispiele von vielen).
 
Diese Entwicklung läuft schon eine ganze Weile und ist gefährlich für die CDU. Wir müssen dem offensiv begegnen! Die CDU ist doch gerade die einzige Partei, die ein Gesamtkonzept hat! Und wenn man genau hinschaut, haben die Grünen dieses Gesamtkonzept gerade nicht, sondern setzen sich aus vielen „Dagegen“-Initiativen zusammen.
 
 
Neuntens: Wir müssen die Menschen für unsere Ziele gewinnen - gemeinsam mit ihnen.
 
Viele Menschen - dieses Gefühl ist ausgeprägt - haben den Eindruck, es werde über ihre Köpfe hinweg entschieden. Dies hat unserem Spitzenkandidaten größte Probleme bereitet.
 
Natürlich, es ist eine politische Gradwanderung: Zunächst einmal müssen wir aus Grundüberzeugung heraus politisch handeln. Das macht unsere Identität als CDU aus. Die Menschen müssen spüren, dass wir aus Grundüberzeugungen, aus Idealismus heraus handeln.
 
Auf der anderen Seite müssen wir die Menschen entscheidend mehr in die Erarbeitung unserer politischen Konzepte einbinden, jedenfalls dafür ehrliche Angebote unterbreiten.
 
Die Arbeit unserer politischen Basis müssen wir danach stärker ausrichten. Unsere Mitglieder müssen stärker mitarbeiten. Aber dafür müssen sie auch mehr Möglichkeiten erhalten, auch wenn das ein anstrengender Prozess ist.
 
Das hat ganz praktische Konsequenzen, nur ein kleines praktisches Beispiel sei genannt: Auf Ortsverbandsebene müssen beispielsweise Adressenverteiler aufgebaut werden, um möglichst viele Menschen in Sachveranstaltungen ganz praktisch in die Projekte einbinden zu können.
 
Grundsätzlich - aber gerade in der Oppositionsrolle wichtiger denn je - ist die Einbeziehung unserer Parteibasis. Gerade beim Thema Kernkraft hätte eine intensive Einbeziehung der Mitglieder dazu geführt, dass sich die Position der CDU im Land und im Bund anders dargestellt hätte.
 
Bei zentralen Themen müssen wir Diskussionen und verbindliche Beschlüsse herbeiführen und konsequent umsetzen.
 
 
 
Dr. Klaus Schüle
 

Ausgang der Landtagswahl

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

58 Jahre lang wurde unser Bundesland mit Erfolg von seinen Bürgerinnen und Bürgern mit der CDU mit Verstand und Leidenschaft dorthin gebracht, wo es heute ist – an die Spitze der Deutschen Bundesländer und an die Spitze aller europäischer Regionen. Am 27. März haben sich die Bürgerinnen und Bürger dennoch gegen die Fortführung einer schwarz-gelben Regierungskoalition in Baden-Württemberg entschieden. Für meinen Freund Bernhard Schätzle und für mich ist dies eine herbe Niederlage, da wir beide unser Landtagsmandat verloren haben. Auch wenn dies so ist: Es ist eine demokratische Wahl und wir werden die, uns von den Bürgerinnen und Bürgern zugewiesene, Aufgabe selbstverständlich annehmen und eine kritisch-konstruktive Oppositionspolitik im Dienste des Landes und seiner Menschen manchen.

In allen landespolitischen Themen stand die CDU vor der Landtagswahl gut dar. Wir konnten zeigen, dass unser Vorgehen in den letzten 58 Jahren in allen Bereichen der Landespolitik maßgeblich zum Erfolg unseres Bundeslandes beigetragen hat. Wir konnten zeigen, dass wir für konstruktive Diskussionen um wichtige landespolitische Themen offen sind und die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen möchten, aber auch Führungsstärke beweisen können. Knapp zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl ereilte Japan eine Katastrophe schlimmsten Ausmaßes, die das Thema Kernkraft – eigentlich kein Thema der Landespolitik - in den Mittelpunkt des Wahlkampfes rückte.

Die Bundes- und Landesregierung reagierte schnell und richtig mit einer Kurskorrektur. Viele warfen uns vor, dass dies nur Wahlkampftaktik sei. Leider hatten wir in der kurzen Zeit bis zum 27. März kaum eine Chance, überzeugend darzustellen, dass wir diese Korrektur ernst meinen. Wir werden die kommenden Monate nutzen, um unter Beweis zu stellen: Wir werden das Zeitalter der regenerativen Energien so rasch wie möglich erreichen.

Selbstverständlich müssen wir den Verlauf des Wahlkampfes und die Ergebnisse der Landtagswahl genauestens analysieren. Wir müssen herausfinden, welche Fehler gemacht wurden und wo wir uns in Zukunft verbessern müssen. Wir müssen konstruktive Oppositionsarbeit im Interesse unseres Landes Baden-Württemberg machen und darüber wachen, dass die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht von ideologisch bestimmter Politik aufs Spiel gesetzt werden. Gleichzeitig müssen wir uns neu orientieren und vor allem in den Bereichen Energie- und Umweltpolitik wieder an Kompetenz dazugewinnen.

Die Freiburger CDU möchte sich in Zukunft insbesondere über neue Formen der Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern beschäftigen. Dies ist aus unserer Sicht ein weiterer Kernpunkt, in dem wir uns verbessern möchten. Das sich dies sowohl zu einem sachlichen Zugewinn führt, als auch die öffentliche Wahrnehmung verbessert, hat der Schlichtungsprozess zu Stuttgart 21 gezeigt.

 

In der zweiten Sitzung des CDU-Kreisvorstandes werden wir einen ausführlichen Gedankenaustausch mit Prof. Dr. Ulrich Eith (Professor am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg und Geschäftsführer der Arbeitsgruppe Wahlen Freiburg) führen.

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bei der CDU Freiburg engagieren würden. Denn Politik wird von Bürgern für Bürger gemacht.

 

Politik ist Dienst am Menschen. Darum geht es. Diesen Auftrag nehmen wir ernst.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Dr. Klaus Schüle

Kreisvorsitzender